Es war laut in der Kneipe. Man traf sich, stieß an, erzählte... Ich schrie, um gehört zu werden. Luise musste nicht schreien. Grelles Neonlicht scheint farblos auf uns nieder“ singt sie und es ist ruhig. Sie sammelt die Ohren, die Blicke, über eine Stunde lang.

Manchmal ist es ein Lachen, manchmal ein Weinen in Melodien, ein Erinnern in Tönen. Robert Walser sagte, es fehle ihm etwas, wenn er keine Musik höre, und wenn er Musik höre, fehlt ihm erst recht etwas.

 

So in etwa geht es mir bei ihr auch. Man möchte Gänsehautgarantie sagen, dieses verwertete Wort, viel zu oft benutzt, aber man hat sie unweigerlich, die gepökelte Haut. Sie erzählt von Vergangenem und wie nichtig jedes Ziel, wenn der Anfang zugleich sein Ende“ in dieser Kohlenstoffwelt ist.Dabei zupft sie ihre Worte wie Fäden eines klingenden Ornaments. Lunge und Gitarre sind bei ihr ebenbürtig, weniger als roter Faden, denn als vielfach durchbrochene Linie. Wenn sie textet, greift sie ins Leere, wo kein Wort ist, sondern nur Fragmente von Wörtern und Klängen, die sie mit Stimme und Gitarre schmiedet, mal webt.

 

Man kann es spärlich nennen, eine Frau, eine akustische Gitarre, selbstgeschriebene deutsche Texte, spärlich und längst bekannt, diese Überinstrumentalisierung des Ichs, Ich, ichiger, am ichigsten. Doch Luise klingt neu, neu in ihren jazzigen Phrasierungen, neu die Stimme, die eine ganz eigene Phonetik ihr Eigen nennt und neu in der verbalen Archäologie dessen, was diese kurzen Sequenzen“, die Momente, bedeuten können. Luise baut die Gitarre wie einen sorgsamen Schutzwall um die fragilen Texte, sie baut ein Netz, um die Zartheit im Text fangen und zurückwerfen zu können, nicht auf sich, auf uns. Das Subjekt ist bei ihr keine Norm, ihre Texte spiegeln sich im Hörer, reflektieren ihn, zeigen die momentane Klarheit dessen, was uns das Gefühl stumm und kollektiv zusammenfasst.

 

Zum Abschluss singt sie uns bleiben Jahre noch uns anzusehen“. Ich hoffe, uns auch.

 

- Anja Schürmann

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